Illustration of Christina

Christina – kämpft gegen Inhaftierungen auf Kos

Christina ist Anwältin von Equal Rights auf der Insel Kos, die nicht nur ein großes, mit dreifachem Stacheldraht umzäuntes Lager für Asylsuchende beherbergt, sondern auch das einzige Abschiebehaftzentrum auf den griechischen Inseln. Gemeinsam mit ihren zwei Kolleginnen ist sie die einzige juristische NGO in der gesamten Region der Dodekanes‑Inseln. Täglich erlebt das Team, wie fehlende rechtliche Unterstützung Menschen auf der Flucht schutzlos zurücklässt. Ihre Arbeit macht systematische Menschenrechtsverletzungen sichtbar, die sonst weitgehend im Verborgenen bleiben würden.

„Wir hatten im März einen großen Erfolg – Mariam ist frei.“

Christina berichtet von dem großen juristischen Durchbruch, den ihr Team im März erzielte: die Freilassung einer Frau, die allein deshalb inhaftiert worden war, weil sie Asyl beantragt hatte. Der Fall machte deutlich, welche Folgen die jüngsten Gesetzesänderungen in Griechenland haben, die Migration zunehmend kriminalisieren. Durch die Kombination von Asyl‑, Straf‑ und Verwaltungsrecht gelang es Christina und ihrem Team nachzuweisen, dass die Frau eine Geflüchtete war und ihre Inhaftierung grundlegende Rechte verletzte. Für Christina zeigt dieser Erfolg, dass konkrete juristische Arbeit auch in einem immer restriktiveren System noch Gerechtigkeit schaffen kann.

„Wir erleben Feindseligkeit, Drohungen, Belästigung. Menschen kommen ins Büro und schreien. Wir haben unsere Autoreifen mehrfach zerstochen vorgefunden. Man fragt sich: Bin ich hier sicher?“

Christina spricht offen über das feindliche Umfeld, in dem sie und ihre Kolleginnen arbeiten – besonders an den EU‑Außengrenzen. Ihre juristische Arbeit provoziert regelmäßig Aggressionen: von verbalen Angriffen über Einschüchterungen bis hin zu Sachbeschädigung. Diese Erfahrungen erzeugen ständigen Druck und Angst; die Frage nach der eigenen Sicherheit begleitet sie täglich. Trotzdem macht Christina weiter – im Bewusstsein, dass diese Feindseligkeit Teil eines größeren Versuchs ist, diejenigen zum Schweigen zu bringen, die die Rechte von Migrant*innen verteidigen.

„Wenn wir nicht unterstützen, gibt es niemanden. Wir können nicht Nein sagen. Jeden Tag kommt jemand und sagt: Ich bin minderjährig, ich bin Opfer von Menschenhandel, ich habe mein Kind im Mittelmeer verloren. Wenn dieser Mensch vor dir steht, kannst du nicht Nein sagen.“

Trotz emotionaler Belastung, Sicherheitsrisiken und enormer Arbeitslast ist Christina überzeugt: Ihre Arbeit ist nicht nur ein Beruf, sondern eine politische und ethische Haltung, die sie jeden Tag in die Praxis umsetzt. Die Wirkung ihrer Arbeit auf das Leben einzelner Menschen bestätigt sie immer wieder. Für sie ist klar:

„Ich kann mir nicht vorstellen, etwas anderes zu tun. Hier gehöre ich hin.“