Mustafa – erste Anlaufstelle für Menschen, die Rat suchen
Mustafa ist Caseworker und Kommunikator. Er erhält täglich mindestens 40–50 Nachrichten von neuen und bestehenden Klient*innen. Vor zehn Jahren floh er aus Irak und arbeitete dank seiner Englischkenntnisse zunächst als Dolmetscher in verschiedenen Camps. Heute koordinieren er und sein Kollege die eingehenden Anfragen nach rechtlicher Unterstützung, priorisieren Fälle für die Anwält*innen, verweisen an andere Stellen und beantworten viele Fragen selbst. Inzwischen sind sie zu Experten und Fallmanagern geworden – und stehen noch immer mit vielen ehemaligen Klient*innen in Kontakt.
„Ich wollte ehrenamtlich helfen – aber am Ende habe ich selbst am meisten Hilfe bekommen.“
Mustafa beschreibt, wie eng Geben und Nehmen miteinander verbunden sind. Als er zunächst als Dolmetscher in Camps auf Chios und dem Festland half, war seine Motivation klar: Menschen in Not unterstützen. Doch mit der Zeit erkannte er, dass dieser Prozess gegenseitig ist. Durch das Helfen, Lernen und Arbeiten mit anderen gewann er selbst Orientierung, Unterstützung und Stärke. Für ihn ist Solidarität keine Einbahnstraße – sie ist ein gemeinsamer Raum, in dem Hilfe zu einer Quelle von Kraft wird.
„Ich hoffe wirklich, dass wir weiterhin die Finanzierung haben, um zu existieren. Nicht nur zu existieren, sondern auch mehr Bedürfnisse abzudecken.“
Damit verweist Mustafa auf Inseln wie Samos und Kreta, wo viele Menschen ankommen, aber kaum rechtliche Unterstützung vorhanden ist. Ohne ausreichende Finanzierung gibt es keine Anwält*innen vor Ort – und ohne NGOs wie Equal Rights bleiben Rechtsverletzungen unsichtbar und unangefochten. Für Mustafa bedeutet stabile Finanzierung, dort präsent zu sein, wo die Not am größten ist, und Anwält*innen zu ermöglichen, das zu tun, was sie am besten können: kämpfen – für die Rechte von Menschen in einem System, das darauf ausgelegt ist, sie zu überfordern.
„Ich möchte Equal Rights zum 10. Geburtstag gratulieren – und ich finde es wirklich erstaunlich, was unsere Leute unter so schwierigen Bedingungen erreicht haben.“
Aus Mustafas Sicht zeichnet sich Equal Rights durch seine Entschlossenheit aus, den eigenen Prinzipien treu zu bleiben – trotz Kriminalisierung und Risiken. Er betont, dass die Organisation sich nicht einschüchtern lässt, selbst wenn diejenigen, die Menschenrechtsverletzungen aufdecken, ins Visier geraten. Gleichzeitig hebt er einen weiteren Kern der Arbeit hervor: den kollektiven Ansatz. Unter ständigem Druck findet das Team Wege, Verantwortung zu teilen, Kapazitäten aufzubauen und sich gegenseitig zu unterstützen, damit auch schwierige und komplexe Fälle übernommen werden können – selbst wenn Ressourcen knapp sind und die Arbeitslast enorm ist.